Wie macht man eine Abi-Zeitung? Oder: Ein Blick hinter unsere Kulissen
Jahr für Jahr stehen Millionen von Schülern vor der gleichen Aufgabe: Eine Abiturzeitung soll entstehen und das möglichst günstig und trotzdem von bester Qualität.
Vor knapp zwei Jahren wurden auch wir beauftragt, eine Abi-Zeitung zu machen. Am Anfang wird erstmal schnell gesagt „Jawohl, aber immer doch!“ unwissend darüber, welch eine Last von nun an auf den Schultern liegen wird. Immerhin ist das Komitee der Abi-Zeitung eines der wenigen Komitees, das seine Arbeit am Ende der Welt und den gnadenlosen Kritikern vorlegen muss. Zudem war es bei uns so, dass wir ein Komitee waren, das autark war und ist. Das hat viele Nachteile (Geld aus der Stufenkasse haben wir nicht bekommen), aber zum Teil auch Vorteile. Denn immerhin lastete nicht der Druck auf uns, Geld für die gesamte Stufe (Abiturball) verdienen zu müssen.
Und so entschieden wir uns, eine Abi-Zeitung zu machen, die besser, schöner und interessanter werden wird, als all ihr Vorgänger zusammen. Ja, am Anfang hat man noch Träume und Visionen. Man möchte neue Akzente setzen und das Rad im Grunde sogar neu erfinden. Und dazu haben wir uns erstmal all den alten Abi-Zeitungen bedient und darüber diskutiert, was man genauso, was besser und was man gar nicht machen kann.
Das war es dann auch erstmal. Die Komiteeleitung nahm Kontakt zu einer Druckerei auf und das Projekt Abi-Zeitung 2008 pausierte. Und das recht lange. Immerhin gab es auch noch kein festes Motto, so dass Layout- und Designvorschläge wenig Sinn gehabt hätten.
Im Frühjahr 2007 dann mal wieder ein Komiteetreffen – während der Handball-EM im eigenen Land. Ich vermute jetzt aber einfach mal, dass die geringe Teilnahme an diesem, wie auch an anderen Treffen, andere Gründe hatte. Unsere Vision der besten Abi-Zeitung aller Zeiten hatten wir übrigens immer noch.
Und dann geschah – wie so oft – erstmal wieder gar nichts. Natürlich hatten wir viele tolle Ideen, aber irgendwie wollte diese nie einer durchsetzen.
Anfang 2008 ging es dann weiter. Der erste Redaktionsschluss wurde festgelegt und veröffentlicht. Nur kurze Zeit später kam der zweite, dann der dritte und schließlich kamen danach dann auch mal die Berichte. Was man nämlich nicht vergessen sollte: So eine Abi-Zeitung besteht zum Großteil aus Texten von der Stufe. Das Komitee hat im Prinzip nur die Aufgabe, die Texte zu sammeln, zu bearbeiten und am Ende eine gedruckte Version zu verkaufen. Aber die Arbeitsmoral in der Stufe war zum Teil schon überraschend. Immerhin war der erste Termin so gelegt, dass man noch genug Puffer gehabt hätte. Schließlich war auch uns klar, dass es kaum jemand schaffen würde.
Nachdem nun die ersten Berichte eintrafen, könnte man ja meinen, dass wir mit der Arbeit loslegen konnten. Aber falsch gedacht, beziehungsweise gemeint.
An dieser Stelle am besten Mal ein Beispiel. Ihr sollt einen Kuchen backen und ihr habt von 20 nötigen Zutaten genau drei. Die eine muss am Anfang in den Teig eingearbeitet werden, die andere am Ende und die dritte ist nur zur Verzierung. Würdet ihr mit dem Backen schon anfangen? Vermutlich nicht. Und so konnten auch wir nicht anfangen, denn es war einfach sinnlos. Woher soll man wissen, auf welche Seite man die Charakterisierung von einem Mitschüler platzieren soll, wenn vorher zehn Charakterisierungen fehlen und man nicht weiß, wie lang eben diese werden?
Doch das Wunder sollte tatsächlich geschehen: Alle Charakterisierungen kamen „rechtzeitig“ und das Layout- und Designteam konnte seine Arbeit aufnehmen, nachdem auch das Komitee das Layout abgesegnet hat. (Was hätte man auch sonst machen sollen?) Und so saß man dann abends oft alleine vor dem PC, der die Definition von Schnelligkeit nicht ganz verstanden hatte, und formte mit dem PageMaker von Adobe die Abi-Zeitung. Ein oder zweimal wurde noch einmal nach zwanzig Seiten von vorne angefangen, weil sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen hatte oder eine Idee vorangegangenes Design ablöste.
Schließlich war es nach mehreren Wochen und mehreren Nachtschichten soweit. Der Drucker spuckte die ersten 166 Seiten der Abi-Zeitung in schwarzweiß aus. Ein ergreifendes Gefühl, das bislang nur digital erstellte Werk in den Händen zu halten. Gut, der Ausdruck war nicht so schön und einige Fehler waren auch noch drin, aber deren Behebung dauerte nur eine Woche.
Irgendwann war es dann soweit: Die Abi-Zeitung wurde auf eine CD überspielt und per Kurier zum Kontaktmann gebracht. Der leitete dann alles weiter an die Druckerei. Das Projekt „Abi-Zeitung“ war damit für mich fast abgeschlossen. Ich formatierte meinen Rechner, einige Daten überspielte ich auf eine CD und der Rest war weg. Einen Tag später kam dann per ICQ die frohe Botschaft: Es gäbe ein kleines Problemchen. Nach einem Anruf bei unserem Kontaktmann war ich dann überzeugt, dass das kleine Problemchen in der Zwischenzeit zu einer Katastrophe herangewachsen war. Man konnte unsere Datei nicht drucken. Kleines Problem. Leider konnte man uns auch nicht sagen, woran es lag und wir sollten die Zeitung einfach noch einmal mit einem anderen Programm erstellen – auf gut Glück. Das war in der Woche vor Pfingsten.
Am Freitag vor Pfingsten haben wir (das Komitee/Dominic und ich) dann eine folgenschwere Entscheidung, nämlich die Druckerei zu wechseln, getroffen.
Folgenschwer deshalb, weil uns telefonisch erklärt wurde, wie man eine Abi-Zeitung richtig machen sollte und wir folglich 166 Seiten EINZELND (das nun war und ist meine Schuld) bearbeiten und anpassen mussten. Die Nacht wurde also sinnvoll verbracht. Eigentlich hatte ich für meinen Teil ganz andere Pläne, aber man kann nicht alles haben. Wir werkelten also die ganze Nacht bis früh morgens bei uns im leeren Laden. Wie viele Liter an Cola, wie viele Duplo-Riegel und diverse andere Süßigkeiten dabei draufgingen, haben wir aber nicht gezählt. Gezählt hat nur das Ergebnis. Einige Feinheiten folgten in den darauffolgenden Tagen und dann ging es zum zweiten Mal zur Druckerei. Wann genau das war weiß ich gar nicht mehr.
Tatsache ist, dass ich rund drei Wochen, nachts um 12 Uhr in einer menschenleeren Siedlung die gedruckte Abi-Zeitung in den Händen hielt. Und das war schon ein unbeschreibliches Gefühl. Alles war man vorher nur auf dem Bildschirm sah oder in den groben, unscharfen Ausdrucken nur erahnen konnte, war plötzlich Realität. Die vielen Arbeitsstunden, die Liebe, die Mühen, die Verzweiflung – alles war vergessen in diesem Augenblick.
Und nach einer kurzen Nacht habe ich mir dann die Zeitung natürlich noch einmal angeguckt. Immer wieder prüfen die Augen jede einzelne Seite und freuen sich über die Druckschärfe, über das Blau auf dem Deckblatt, über das Aussehen allgemein und über das Logo. Ein Logo, das zunächst nur ein Rohentwurf war, dann aber plötzlich überall auftauchte.
Man ist mit Stolz erfüllt, wenn man nach rund drei Monaten intensiver Arbeit und zwei Jahren mehr oder weniger harten Vorbereitung, das Werk endlich in den Händen hält.
Mit der Begeisterung kommt aber auch ein neues Gefühl, die Angst. Angst davor, dass die Abi-Zeitung nicht gefällt; Angst, dass Namen falsch geschrieben und Personen gar vergessen wurden oder dass niemand die Abi-Zeitung kauft.
Letztlich hat sich bislang kaum einer beschwert und wir haben vorwiegend Lob ausgesprochen bekommen. Das baut auf und tut gut. Kleine Gesten, die Großes bewirken.
Natürlich wissen wir, dass wir unser Ziel, die beste Abi-Zeitung des SGs zu schaffen, das Rad neu zu erfinden, nicht ganz erreicht haben. Dafür hätten wir penibler arbeiten müssen. Doch wir haben mitunter neue Maßstäbe gesetzt, die Messlatte nicht unbedingt erhöht, aber bestätigt und hoffen, dass die nachfolgenden Generationen nicht unbedingt sofort diese Messlatte überfliegen werden. Nur daran scheitern sollen sie auch nicht.
Insgesamt also eine runde Sache, oder doch die Quadratur des Kreises?
10. Juli 2008 um 9:56 |
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22. Juli 2008 um 2:06 |
[...] “Das hätten sie rechtzeitig buchen müssen” Achwas, Januar ist also nicht “rechtzeitig” genug… Nun kam es noch besser, denn der Vogel da bestätige mir doch tatsächlich, [...]